Geozentrisches Weltbild
Am verbreitetsten war die Annahme: Die Erde steht im Mittelpunkt des Universums
(γεοκεντρικός geokentrikós „erdzentriert“). Mond, Sterne, die Sonne und die Planeten
kreisen auf festen Bahnen um die Erde. Diese Bahnen wurden Sphären genannt. Man stellte
sie sich kristallartig vor. Die Kreisbahnen aber wirken beim Blick in den Himmel unregelmäßig. Es entsteht der Eindruck, dass die Planeten manchmal die Sonne überholen und dann wieder hinter ihr zurückfallen. Diese „irrende“ Bewegung verleiht den Planeten
ihren Namen als „Irrläufer“ (lateinisch planare irren). Aristoteles (384–322 v. Chr.) war der einflussreichste Philosoph und Naturforscher, der das geozentrische Weltbild vertrat. Im 2. Jh. n. Chr. ergänzte Claudius Ptolemäus das Wissen durch neuere und genauere Beobachtungen und Messungen.
Heliozentrisches Weltbild
Nur vereinzelt gab es in der Antike die Auffassung, dass die Sonne im Mittelpunkt steht (ἥλιος hélios „Sonne“, κέντρον kentron „Zentrum“). Die Erde und die Planeten kreisen um die Sonne. Diese Meinung vertraten z. B. Aristarch von Samos (310–230 v. Chr.) und Seleukos von Seleukia (190–150 v. Chr.). Sie konnten sich aber nicht durchsetzen. Denn das Christentum übernahm das geozentrische Weltbild: Es passte gut zur biblischen Schöpfungslehre. Erst Nikolaus Kopernikus lieferte im 16. Jahrhundert die fehlenden mathematischen Beweise für das heliozentrische Weltbild. Es bezieht sich ausdrücklich auf Aristarch und arbeitet dessen Argumente weiter aus.